|
Die Tradition des Fahnenschwenkens kann man bis in die Römerzeit zurückverfolgen. Ein genauer Zeitpunkt der Entstehung ist nicht feststellbar. Es muß angenommen werden. Daß das Fahnenschwenken bereits in den Anfängen des Römischen Reiches entstanden ist. Zu dem Zeitpunkt, als erstmals Fremdes Gebiet durch römische Legionen besetzt wurde. Die Fahnen wurden nur siegreichen Legionen und Feldherren vorangetragen. Das Recht auf dieses Vorantragen hatten außerdem der Kaiser sowie die Senatoren und Tribunen. Während die Fahnen der Legionen ihre Legionsbezeichnung und die vier Buchstaben „SPQR“ trugen, waren auf den Fahnen, die den römischen Kaiser, den Senatoren und Tribunen vorangeschenkt wurden, zusätzlich eine Wölfin abgebildet, die der Legende nach die Brüder Remus und Romulus säugte. Die kaiserliche Garde (Prätorianer) hatte außer der kaiserlichen Schwenkfahne zusätzlich von jeder Legionsfahne eine Zweitausführung. Bei festlichen Ereignissen, an denen der Kaiser teilnahm, gingen Fähnriche mit diesen Schwenkfahnen geschlossen voran. Mit dieser großen Anzahl von Fahnen sollte die militärische Macht und Gewalt des Kaisers dokumentiert werden. Es gab nur zwei Figuren, die geschwenkt wurden. Das Vorhand achten und aus dieser Figur einen Wurf. Das heutige Fahnenschwenken geht zurück ins 4. Jahrhundert. Das Christentum hatte fast die gesamte Leibgarde des Kaisers unterwandert. Ihr Befehlshaber Sebastianus (aus dem Griechischen und bedeutet „der Erhabene“) war als verkappter Christ verschrien.
Das Fahnenschwenken ist eine sehr wichtige Tätigkeit. Es symbolisiert den Kampf zwischen Gutem und Bösem. Der Fahnenschwenker kämpft mit seiner heiligen und reinen Fahne gegen das Böse und gegen das gewisse etwas, das seine Fahne beschmutzen kann. Deswegen darf die Fahnen den Boden nicht berühren. Das Fahnenschwenken ist wie ein Gebet. Es stärkt den Schwenker und gibt ihm die Kraft um den Kampf zu einem guten Ende zu führen. Wenn das Fahnenschwenken in einer bestimmten Reihenfolge geschieht, nennt man es das „Sankt Georg Fahnengebet“. In dieser Fassung unterstellt es den Kampf vom heiligen Georg gegen den Drachen. Meistens wird das Fahnenschwenken verstanden als eine Ehrenbezeichnung anlässig einer Feier oder zum Gruß, neuerdings fast ausschließlich im Wettbewerb. Erläuterung der Schwenkungen
-
über dem Kopf: Gruß an den Vater im Himmel; eine Bitte um Mut um den Kampf ehrlich zu vollführen. Bitte um Stärke.
-
über den Kopf werfen: Verherrlichung der Schutzheiligen. Der Schwenker will sein Bestes geben.
-
um die Brust: Der Schwenker wir eingeladen, alle Kraft zu benutzen, auch wenn es sein Leben kosten kann.
-
um die Knie: Er muß sich geschmeidig halten, dass er immer knien kann.
-
um die Knöchel: Wenn der Kampf schwierig wird, Schwenker, tue deine äußerste Pflicht, die Fahne schwenken zu lassen. Insbesondere halte sie rein.
-
hinter dem Rücken: Von allen Seiten wird der Schwenker angegriffen. Von überall droht Gefahr.
-
kniend: Der Feind versucht, den Schwenker auf die Knie zu zwingen. Er wird niedergedrückt.
-
in den Armen: Der Kampf ist verzweifelnd. Der Schwenker muß zielbewusst handeln.
-
im Ellbogen: Der Schwenker versucht, sich den Feind vom Leibe zu halten. Er wird müde und seine Hände können die Fahne nicht mehr festhalten.
-
über die Fahne schreiten: Der Feind will die Fahne nehmen, aber der Schwenker verhindert das. Deswegen schwenkt er die Fahne unter den Beinen durch, über den Boden und danach über den Kopf. Er wehrt damit ab.
-
auf dem Bein hinter: Es wird schwierig. Der Schwenker macht seine Hände frei.
-
den Knien: Er will nicht fliehen. Der Kampf geht weiter.
-
aufrollen: Der Kampf ist beendet. Der Schwenker hat gewonnen. Mit der Fahne an der Schulter ist er der Held.
In diesem Gebet liegt eine wesentliche christliche Grundlage. Diese Grundlage heiligt die Handlungen des Schwenkers und der Gruppe, wozu gehört. Aus diesen Fahnengebeten heraus sind die heutigen Fahnenschwenker-Wettbewerbe entstanden. Je nach Altersgruppe, bzw. Fahnengröße hat man Klassen gebildet, die in einem Wettbewerb den jeweiligen Sieger ermitteln. Es gibt aber auch Mannschaftswertungen. Zur Ermittlung der Sieger hat man sich Regeln gegeben, die „Richtlinien für die Abhaltung von Fahnenschwenkerwettbewerben“. Schwenkzeichen und Bewertungskriterien, Startberechtigung und sonstige Bedingungen sind darin aufgeführt. Hier einmal eine Übersicht aller Griffe, die normal der Bewertung unterliegen. Bei einigen Griffen ist die Verwandtschaft zum Fahnengebet auffällig. a) Einfache Griffe: - alle Rückenschläge - greifen um den Hals - drehen um die geschlossenen Beine, vorgebeugt - durchziehen durch die Beine in Habacht-Stellung - schwierige Dreh- (und) Übergänge - Rückhand-acht - Vorhand-acht - Griffe um den Bauch - einfach Übergänge - Drehungen über dem Kopf und an den Seiten b) Kunstgriffe - alle einfachen Würfe - alle Griffe auf einem Bein - Flieger - Wurf um den Hals - Sprung über die Fahne - auf einem Bein, vorübergebeugt und Rückenschlag - Drehung zwischen den Beinen nach vorne - Drehung zwischen den Beinen nach hinten - Rücken-, Schulterwurf - Hüftwurf rückwärts - auf dem Fuß gelegt, eine Drehung von 360° Grundform der Fesselung, Peinigung und Entfesselung des hl. Sebastianus Fesselung : rechts 3 x 8 über Kopf rechts um Körper 3 x drehen (1 x Gürtel, 1 x Knie, 1 x Füße) 1 x 8 unterm rechten Arm 3 x drehen (1 x Gürtel, 1 x Knie, 1 x Füße) bei 3. Drehung Fahne mit links nehmen links 3 x 8 über Kopf links um Körper 3 x drehen (1 x Gürtel, 1 x Knie, 1 x Füße) 1 x 8 unterm linken Arm 3 x drehen (1 x Gürtel, 1 x Knie, 1 x Füße) bei 3. Drehung Fahne mit rechts nehmen Peinigung: rechts 3 x 8 dann 3 x rechts drehen links 1 x 8 dann 3 x links drehen rechts 1 x 8 dann 3 x vorne drehen links 1 x 8 dann 3 x über Kopf drehen Fahne mit links nehmen Entfesselung: links 3 x 8 unter rechten Arm 3 x drehen (1 x Füße, 1 x Knie, 1 x Gürtel) über rechten Arm 3 x drehen (1 x Füße, 1 x Knie, 1 x Gürtel) bei 3. Drehung Fahne mit rechts nehmen rechts 3 x 8 unter linken Arm 3 x drehen (1 x Füße, 1 x Knie, 1 x Gürtel) über linken Arm 3 x drehen (1 x Füße, 1 x Knie, 1 x Gürtel) rechts 3 x 8
|